{"id":1583,"date":"2016-03-08T16:52:29","date_gmt":"2016-03-08T15:52:29","guid":{"rendered":"http:\/\/krupunder-see.de\/?page_id=1583"},"modified":"2016-09-08T08:43:19","modified_gmt":"2016-09-08T07:43:19","slug":"der-baum-erzaehlt-2","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/krupunder-see.de\/?page_id=1583","title":{"rendered":"Die Sage des schaurigen Wirtes"},"content":{"rendered":"<p>Skeptisch beobachtete ich die Jugendlichen, die es sich an meinen Wurzeln gem\u00fctlich gemacht hatten und ein Lagerfeuer entz\u00fcndet hatten um die Dunkelheit zu vertreiben.<br \/>\nNun, wenn das Feuer, dass eindeutig zu nah an meinen Wurzeln platziert worden war, sich ausbreiten w\u00fcrde, w\u00e4re es wenigstens hell wenn sie mich verbrannten und selbst in den See fl\u00fcchten w\u00fcrden.<br \/>\nAls w\u00e4re es nicht genug, dass der Elbsand auf meine Wurzeln dr\u00fcckte und Kinder an meinen \u00c4sten herumkletterten.<br \/>\nBelustigt beobachtete ich, wie diese harten Jungs, die am Nachmittag noch wie die ganz Mutigen beim Anbaggern von M\u00e4dchen gescheitert waren, sich nun Geistergeschichten erz\u00e4hlten und versuchten, den anderen m\u00f6glichst viel Angst zu bereiten.<br \/>\nEs mochte moralisch zwar fragw\u00fcrdig sein, aber mir machte es au\u00dferordentlichen Spa\u00df, Legenden \u00fcber Leute zu h\u00f6ren die &#8222;angeblich&#8220; im See ertrunken waren, auf der Flucht vor der Polizei, da sie gerade einen Raub begangen hatten.<br \/>\nNichtmal kreativ waren sie, schimpfte ich stumm, w\u00e4hrend ich mich nach der Zeit sehnte, als man sich mit Gruselgeschichten noch M\u00fche gegeben hatte und man sich nicht beim billigsten M\u00fcll in die Hosen machte.<br \/>\nAber ich zwang mich zur Ruhe, ich war nicht auf dieser Welt, um mich \u00fcber andere Spezien aufzuregen. Das w\u00fcrde mich noch in den Kamin bringen!<br \/>\nAlso richtete ich mein Ohr wieder auf die Jungen, die gerade eine neue Schauergeschichte zu erz\u00e4hlen begannen.<br \/>\n&#8222;Ich sag&#8217;s euch, hier hat mal ein Mann gelebt, der war ganz arm, obwohl er eine Gasstube betrieb und h\u00fcbsche Zimmer zu guten Preisen bot. Und wisst ihr warum?<br \/>\nWeil er jeden Besucher seiner Gaststube bestohlen hat! Und wenn er damit fertig war, hat er die armen Schweine mit seinen eigenen, gro\u00dfen H\u00e4nden erstickt!<br \/>\nF\u00fcr ihn war das leicht, weil er regelm\u00e4\u00dfig das Holz f\u00fcr seinen Kamin hackte und manchmal auch f\u00fcr andere die Ladungen \u00fcbernahm, um das Gasthaus nicht zu verlieren.<br \/>\nUnd habt ihr &#8217;ne Ahnung was er mit den Leichen gemacht hat?&#8220; Der Junge beugte sich vor; seine Freunde zitterten schon vor Angst. Wenigstens wusste er, wie man eine Geschichte erz\u00e4hlte.<br \/>\n&#8222;Er hat die Leichen im See versenkt, wo sie erst Tage sp\u00e4ter, wenn der Wirt das Geld schon l\u00e4ngst versoffen hatte, gefunden wurde!<br \/>\nSo ging dass immer weiter, angeblich sogar dreizehn Jahre!&#8220;, erz\u00e4hlte der Junge aufgeregt, w\u00e4hrend er einen Schluck aus seiner Colab\u00fcchse nahm. Ich wedelte entr\u00fcstet mit den Zweigen:\u00a0 Der Wirt hatte der Legende nach 5 Menschen get\u00f6tet, nicht mehr und bestimmt keine dreizehn Jahre lang!<br \/>\n&#8222;Seit dreizehn Jahren bereicherte sich der Wirt also am Tod seiner G\u00e4ste.\u00a0 Niemand hatte es ihm je nachweisen k\u00f6nnen, bis schlie\u00dflich\u00a0 am dreizehnten Februar, einem Freitag der ganz grau und verwaschen schien, ein reicher Kaufmann die Gaststube betrat und das gr\u00f6\u00dfte Zimmer der Gaststube mietete, mit Abendbrot und Morgenschmauss. Der Wirt soll sich schon gierig die H\u00e4nde gerieben haben, als er dem Mann die Schl\u00fcssel \u00fcbergab, der sie dankend annahm, unwissend das sein Tod schon so nah war.<br \/>\nIn der Nacht, um Schlag Mitternacht erz\u00e4hlt man sich, nahm der Wirt sich seinen Schl\u00fcssel und \u00f6ffnete die knarzende T\u00fcr.&#8220; Nun zitterten die Jungen wie Espenlaub und, nur um des Spa\u00dfes willen, lie\u00df ich meine \u00c4ste wedeln und Schatten \u00fcber sie tanzen, obwohl kein Wind wehte. Die Jungen wurden ganz klein, einer stotterte etwas von Geistern, der andere griff an seinen Hals, wo eine Kreuzkette hing. \u201eK-Keine Sorge Jungs, das ist nur der Wind, okay?\u201c versuchte der Erz\u00e4hler seine Freunde zu beruhigen und ich wollte grinsen, als sie alle verleugneten, je Angst gehabt zu haben und dass sie doch nicht an etwas so kindisches wie Geister glaubten.<br \/>\nHeuchler, dachte ich, gedanklich kichernd.<br \/>\n\u201eJedenfalls, als der Wirt das Zimmer des Kaufmanns betrat, nahm er sich alle seine Wertgegenst\u00e4nde, sogar ein angelaufenes Silberamulett, dass ihm komischerweise bekannt vorkam. Und als er all das Geld des Fremden in seinen Jackentaschen versenkt hatte, wandte er sich dem schlafenden Kaufmann zu. Der Mann schlief seelenruhig, wie ein Kind und sein Atem war ruhig, nicht wissend dass er in nur ein paar Minuten um sein Leben bangen w\u00fcrde\u201c des Effektes Willen stoppte der Junge kurz seine Erz\u00e4hlung und obwohl ich dich Legende kannte, hing ich an seinen Lippen.<br \/>\nEin wenig.<br \/>\nVielleicht.<br \/>\nSeine Freunde lehnten sich gespannt vor, sie alle brannten auf das Ende der Geschichte, das so offensichtlich erschien. \u201eMit lauten, donnernden Schritten ging der Mann auf das Bett des Kaufmannes zu, die Mordlust glitzerte in seinen Augen, das komische Gef\u00fchl der Bekanntheit in seiner Brust ignorierte er. Der Kaufmann wand sich unruhig im Schlaf, sein Traum verschwamm und verwirrt sah er auf die Silhouette die sich \u00fcber ihm aufb\u00e4umte. Bevor er reagieren konnte legten sich zwei gro\u00dfe H\u00e4nde um seinen schlanken Hals und dr\u00fcckten zu.\u201c wieder stoppte der Junge und ich raschelte emp\u00f6rt mit den \u00c4sten, da erz\u00e4hlte er eine solche Geschichte und h\u00f6rte beim spannendsten Teil auf! Was f\u00fcr eine Unversch\u00e4mtheit!<br \/>\nNicht, das es mich gek\u00fcmmert h\u00e4tte. Ich kannte die Geschichte ja schon.<br \/>\nDer Junge \u00f6ffnete den Mund, um fortzufahren und ich beugte mich vor, gespannt auf das Ende der Geschichte wartend. Leise wispernd sprach er weiter. \u201eDer Kaufmann schrie und trat um sich, doch gegen die grobe Kraft des breiten Wirtes kam er nicht an und eine Tr\u00e4ne rann \u00fcber seine Wange, Worte formten sich, durch die Atemnot des Mannes verzerrt und undeutlich.<br \/>\nAber das letzte Wort, dass seine Lippen je verlassen sollte, kam klar und deutlich \u00fcber seine Lippen, obwohl seine Augen schon halb verdreht und glasig ins Leere sahen.<br \/>\n\u201eBruder\u201c<br \/>\nDie H\u00e4nde des Mannes erschlafften, er zog sie zur\u00fcck, reflexartig als k\u00f6nnte er seine Tat so wieder ungeschehen machen, aber auf dem Bett lag nicht l\u00e4nger ein Lebender, nur eine kalte Leiche, deren Augen den Wirt leer und anklagend zu verfolgen schienen. Mit zitternden Fingern beugte der Wirt sich zum Kaufmann hinunter, f\u00fchlte nach seinem Puls, obwohl er die Antwort schon l\u00e4ngst kannte, sah sie ihm doch ins falsche Gesicht!<br \/>\nTr\u00e4nen rannen \u00fcber seine Wangen, doch er zwang sich, sich aufzurappeln und mit zitternden Fingern schloss er die Augen seines Bruders, nicht um ihm eine letzte Ehre zu erweisen, sondern um seinen bohrenden, anklagendem Blick zu entkommen. Unsicher griff er um den Bauch des Mannes, nur der Mond sah wie er die Leiche aus dem Haus schleppte und im Seeufer vor seinem Haus versenkte.<\/p>\n<p>Doch der Blick seines Bruders schien ihn zu verfolgen, er zog sich immer mehr zur\u00fcck, versoff das Geld das er gestohlen hatte und versuchte verzweifelt seine grausamen Taten zu vergessen, sie in Alkohol zu ertr\u00e4nken, doch \u00fcberall sah er seinen Blick und schlie\u00dflich, ein Jahr nach dem Brudermort, fand man ihn.<br \/>\nErh\u00e4ngt in seinem Haus, die Schuld und de Angst auf ewig in sein Gesicht gebrannt.\u201c<\/p>\n<p>So endete der Junge seine Erz\u00e4hlung und ich musste mich kurz sch\u00fctteln, um wieder in der Realit\u00e4t anzukommen.<br \/>\nAm liebsten w\u00fcrde ich mich dar\u00fcber beschweren, was er alles ver\u00e4ndert hatte, aber wie die Jungen um ihn herum war ich au\u00dferstande etwas zu sagen, konnte aber sehen wie er sich selbstgef\u00e4llig zur\u00fccklehnte und einen tiefen Schluck aus seiner Colab\u00fcchse nahm, was mich etwas w\u00fctend werden lie\u00df.<br \/>\nDer Bengel mochte zwar erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, aber er war nichts desto trotz verflucht arrogant. Aber seine Freunde schienen sich daran nicht zu st\u00f6rten, bewunderten seine Geschichte sogar! Bei dem ganzen Wirbel den sie machten, lie\u00dfen sie das Feuer ganz au\u00dfer Acht, das hoch flackerte und meine Wurzeln schmerzlich hei\u00df werden lie\u00df.<br \/>\nBei aller Freude, das lie\u00df ich mir dann doch nicht bieten!<\/p>\n<p>Ich hob meine \u00c4ste, lie\u00df sie wirbeln und das Feuer, von mir weg flackern. Der Wind warf zarte Wellen auf dem See und Wolken bedeckten den Mond. Sie lie\u00dfen die Jungen in der Dunkelheit zur\u00fcck, als ich das Feuer mit einem angestrengten Satz l\u00f6schte. Die Jugendlichen schrien \u00fcberrascht auf, ich roch den ekelhaften Gestank von Urin neben meinen Wurzeln und ich kicherte. Mein Kichern wurde vom Wind hinfort getragen, so dass es sich anh\u00f6rte als w\u00fcrden Geisterstimmen sie jagen und ich h\u00f6rte wie sie schrien, ihre Schritte auf dem nassen Sand machten fast kein Ger\u00e4usch. Doch ihr schneller Atem und ihre hektischen Rufe lie\u00dfen mich nur zu gut wissen, wo sie hinliefen.<\/p>\n<p>Doch als der n\u00e4chste Tag begann kamen die Jungen wieder und dunkle Augenringe schm\u00fcckten\u00a0 ihr Gesicht. Wie am Vortag versuchten sie -erfolglos- M\u00e4dchen anzubaggern, aber diesmal wandten sich die M\u00e4dchen nicht nur wegen ihrer Art und ihrem Auftreten ab, sondern auch weil sie aussahen als h\u00e4tten sie den Teufel gesehen, was sie aber gekonnt totschwiegen.<\/p>\n<p>Ich hatte sie danach nie wieder bei Nacht hier gesehen, genau genommen gingen sie immer im Abendgrauen nach Hause. Als ich mal eine andere Truppe belauschte, die es sogar geschafft hatte statt Feuer Taschenlampen mitzubringen, h\u00f6rte ich die Mythe eines Waldgeistes mit der Kontrolle \u00fcber die B\u00e4ume, der hier am Krupunder See lauerte und, wenn die Wolken alle Sterne verdeckten, Kinder und Jugendliche, sogar Erwachsene in die Flucht trieb, aus Wut das sie ihren geliebten Wald mit ihrer Anwesenheit beschmutzten.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich zugegebenerma\u00dfen geehrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Skeptisch beobachtete ich die Jugendlichen, die es sich an meinen Wurzeln gem\u00fctlich gemacht hatten und ein Lagerfeuer entz\u00fcndet hatten um die Dunkelheit zu vertreiben. 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